lars englund fügt komplexe gebilde aus jeweils gleichen modulen zusammen, bausteine – lego – könnt man annehmen, mit all den rationalen vorteilen, die ein solches vorgehen schafft, aber bei genauem hinsehen stellt man mit erstaunen fest, dass er für jede montage ein neues modul erfindet, dieses mühsam herstellen lässt, so jede montage zum modell wird, dessen weitere möglichkeiten er nicht ausschöpft, wie andere seriell arbeitende künstler:innen. er findet zu einer vielfalt an bausteinen, modulen, verbindungsweisen zurück, ähnlich der der pflanzenwelt.
gianni colombo gelang es in seinen installationen und objekten, uns direkt mit den uns vertrauten kulturerrungenschaften zu konfrontieren. der senkrechten – (dem aufrechten gang, der wand), der waagerechten – (dem schlaf im bett, dem tisch, dem boden), der schrägen, als dynamischer verwandlung der senkrechten in eine vorwärtsbewegung. er ließ, wie schlemmer formen wie würfel und kegel sich bewegen, azentrisch, zeitversetzt, sodass die betrachter:innen sich in ihrer geraden körperhaltung selber als schief und deplaziert vorkamen. er entwarf die "hässlichen" treppen, mit allen vorstellbaren schräg- und kipplagen, die die benutzer:innen sofort und unmittelbar irritierten, hin in "eine schiefe lage" brachten, ihnen bewusst machten, wie dünn das eis der selbstverständlichkeit ist. er liebte die schönheit der schlemmerfiguren auf der bauhaustreppe, er projiziert auf sie die dynamik von marcel duchamps "akt eine treppe herabschreitend" (1911), er schuf für uns die möglichkeit der aufmerksamen beobachtung dieser qualitäten durch seine stolpertreppen "bariestesia".
eric snell läßt in seinen magnetischen zeichnungen ein offenes gebilde, z.b. eine schnur, an deren beiden enden magnete befestigt sind, sich so durch umlenken über positionierte nägel zu einer form schließen, dass zwischen den sich anziehenden magneten eine lücke bleibt. die geometrische erfahrung, die vorstellungskraft lässt uns die form schließen, obwohl die augen sehen, dass die lücke offen ist und die kenntnis der schwerkraft uns sagt, dass das ding fallen muss. so "sieht" man die "unsichtbare" magnetische energie.
gary woodley hat ein sehr komplexes geometrisches verständnis. in seinen autonomen objekten hebt er begriffe wie innen und außen, rechts und links, vorne und hinten auf. er relativiert sie durch die methode der verschlingung als moebius'sches band, oder annäherung an eine moebius'sche fläche. seine arbeiten in der architektur sind analysen der räume, der form, ihrer konstruktion und verbindung. er seziert gleichsam ein gebäude, durchschneidet es in der vorstellung und markiert mit einer linie diesen schnitt. im idealfall entsteht eine klare schnittlinie, in der realität treten dabei für den betrachter jede abweichung, jede leiste, jeder kasten, stecker, deckenraster, feuermelder, etc. als hemmnis und umlenkung der linie auf. das integriert er bewusst in seine planung. gary woodley hat den perfekten, real existierenden raum niemals angetroffen, außer in seinen autonomen raummodellen, er weiß das und arbeitet an dieser reibung zwischen vorstellung und realität. beide zusammen produzieren eine neue form, die die betrachter:innen heiter staunen lässt, bewegt man sich durch sie hindurch.
yoko terauchi verbindet die östlichen vorstellungen von yin-yang mit ihrer vorgehensweise als bildhauerin. sie transponiert innen nach außen und außen nach innen, sei es in ihren rauminstallationen, ihren rißzeichnungen, oder in ihren frühen kabelarbeiten. sie lässt uns vor der technischen vielfalt 1000-adrigen telefonkabels erstaunen, das sie in ihrer skulptur durch aufschlitzen der hülle und herausnehmen der inneren stränge zu einer yin-yang arbeit verwandelt. das innere wird zum äußeren, stabilisierenden fuße, die vormalige hülle zum entleerten inneren schaft. die erkenntnis, dass in diesem kabel zeitgleich 1000 telefongespräche geführt wurden, lässt einen nicht los, man glaubt, die stimmen anfassen zu können.